Buy & Hold – Und “ein paar” Verkäufe

Buy & Hold ist sicherlich eine unter Kleinanlegern an der Börse weit verbreitete und sehr bekannte Strategie. Das Ganze klingt allerdings immer so als würden einmal gekaufte Aktien das Depot nie wieder verlassen. Dann melde ich mich doch hier mal als Buy & Hold Anleger – mit mittlerweile 14 verkauften Positionen.

Vermutlich bin ich nicht der Einzige mit einer Buy & Hold Strategie auf der einen Seite und einer ganzen Reihe von Wertpapier-Verkäufen auf der anderen Seite. Daher wird die Strategie mittlerweile auch – etwas ausführlicher und treffender – als Buy & Hold & Check bezeichnet. Und wenn bei diesem Check – nach welchen persönlichen Kriterien auch immer – ein Daumen nach unten raus kommt, dann trennt man sich von der entsprechenden Aktie oder dem ETF.

Auch ich hatte früher – also sehr viel früher in meiner ersten sehr kurzen und sehr erfolglosen Börsenphase – diese irrige Annahme es würde reichen irgendwelche Aktien zu kaufen und diese einfach nur lange genug zu halten. Es gibt zwei Möglichkeiten zu der Erkenntnis zu gelangen, dass das nicht wirklich funktioniert. Man macht es so wie ich mit einem 12 Jahre dauernden Selbstversuch oder man schaut sich mal in aller Ruhe z. B. diese Folge von BörsenBunchTV an (ich liebe diesen Kanal mittlerweile wirklich sehr).

Jetzt kann man natürlich zum Selbstversuch sagen: 12 Jahre war einfach noch nicht lange genug. Gut, ok, aber eine Commerzbank, mit der ich nach diesen 12 Jahren ungefähr 94% im Minus lag, wird das zu meinen Lebzeiten nicht wieder einholen. Das sage ich jetzt hier einfach mal so!

Aber genug der Vorrede und schauen wir doch einfach mal die Liste aller(!) meiner Verkäufe aus meinem bisherigen Anlegerleben an. (Und das ist durchaus schmerzlich, da man damit ja auch die entsprechenden Käufe “beichten” muss.)

Liste aller Verkäufe

Ich bin mir ja überhaupt nicht sicher, ob das hier eine gute Idee ist, aber ich mache mich jetzt einfach mal gnadenlos nackig was meine Verkäufe, deren Ergebnisse und die jeweiligen Beweggründe angeht.

01.01.2009: Landesbank – 100% Minus (Totalverlust)

Hatte ich schon erwähnt, dass ich in meiner frühen ersten Börsenphase völlig planlos agiert habe mit einer leichten Tendenz zum Zocken? Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern welche Landesbank das genau war. Das war diese Immobilienkrise in den USA und irgendwann kam Post, dass die entsprechenden Anteile für 0€ aus meinem Depot ausgebucht wurden. Die absolute Summe war jetzt nicht super hoch, aber es war dennoch eine – sagen wir mal – interessante Erfahrung.

14.09.2020: Nokia – 56% Minus (Nostalgiekauf)

Auch ein Kauf aus meiner frühen Börsenphase bei dem ich dann direkt mal die Reissleine gezogen habe mit meinem ernsthaftem Wiedereinstieg an der Börse. Im Prinzip war es ein Kauf aus Nostalgie, da ich lange Zeit bei Nokia gearbeitet habe. Das war auch nicht unbedingt ein besonders guter Ratgeber für den Kauf einer Aktie kann ich da rückblickend nur sagen.

22.10.2020: Makara Mining – 73,63 Minus (Schwachsinnskauf)

Das war einer meiner ersten Käufe als ich 2020 wieder an die Börse gekommen bin. Und das ist rückblickend schon echt cringe, ich kann es nicht anders sagen! Bin voll auf irgendsoeine Webseite mit “Geheimtip” und “sichere Rendite” und “blablabla” reingefallen. Richtig übel! Zum Glück hat mich eine innere Stimme davon abgehalten hier mehr als nur Spielgeld zu investieren, was das Ganze zumindest ein wenig relativiert.

Trotzdem hat die ganze Aktion einfach auf so vielen Ebenen keinen Sinn gemacht. Aber Erfahrungen, die man selber sammelt sind ja bekanntermassen besonders lehrreich. Kleiner Fun Fact: Verkauft habe ich am Ende für 0,24€ – und dabei auch noch enorme Transaktionsgebühren bezahlt – und die Aktie steht heute bei 0,0375€. Muss ich noch mehr sagen? Glaubt diesen Mist nicht wenn euch irgendwelche Pennystocks angepriesen werden!

12.11.2020: Daimler AG – 110,91 Plus (Gewinnmitnahme, Teilverkauf)

Daimler war der einzige Glücksgriff aus meiner frühen Börsenphase und so kam hier die Idee auf, auch mal Gewinne mitzunehmen. Heute steht die Aktie bei mir mit 283% im Plus und es gab noch für jeweils zwei Daimler Aktien eine Daimler Truck Aktie durch den entsprechenden Spin-Off. Die lange Geschichte dazu findet sich in diesem Artikel.

28.12.2020 + 21.06.2021: Tesla – 33,31% Plus (Gewinnmitnahme, Portfoliobereinigung)

Tesla war auch so ein etwas merkwürdiger Kauf von dem ich hoffe sowas passiert mir heute nicht mehr. Und das obwohl ich ja mit einem guten Plus hier raus gegangen bin. Auf jeden Fall habe ich mir damals die Nacht um die Ohren geschlagen, um mir den Live-Stream vom damaligen Tesla Battery Day anzuschauen. Da wurde ein extremer Hype aufgebaut, auch in den kommentierenden Streams und zack hatte ich ein paar Tesla Aktien im Depot.

Dann kam dann noch der Tesla-Hype von Cathy Woods dazu und ich hatte mir schon ausgerechnet was ich mit dem vielen Geld mache wenn Tesla – wie vorhergesagt – bei 15.000€ stehen sollte.

Obwohl der Kurs zwischendurch noch deutlich höher stand als der Kurs zu dem ich dann verkauft habe, bereue ich die Entscheidung nicht. Mehr dazu hatte ich damals auch schon in diesem Blogbeitrag geschrieben.

28.12.202 + 07.04.2021: Commerzbank – 95,81% Minus (Yolo)

Die Commerzbank-Aktien stammen auch aus meiner ersten – nicht sehr durchdachten – Börsenphase. Warum habe ich die Aktie gekauft? Weil ich da Kunde bin! Also wenn das nicht der bestmögliche Grund ist dann weiss ich es aber auch nicht.

Keine Ahnung was ich dazu noch schreiben soll. Konnte die Verluste wenigstens gegen rechnen mit den Gewinnen aus den Verkäufen von Tesla. Und es war eine echte Freude diesen Verlust zu realisieren und die Aktie nicht mehr im Depot sehen zu müssen.

13.04.2021: iShares Healthcare Innovation UCITS – 2,65% Plus (Portfoliobereinigung)

Bei den ETFs war ich zwischendurch auch immer mal wieder ein wenig zu experimentierfreudig auf der Suche nach der Outperformance des Marktes. Davon bin ich jetzt aber endgültig abgekommen und fokussiere mich wieder auf den von mir favorisierten MSCI World.

18.06.2021: DIC Asset – 23,68% Plus (Portfoliobereinigung)

Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich für meinen Geschmack mit Omega Healthcare, Hamborner Reit und DIC Asset zu viele Immobilienaktien im Portfolio. Dabei hat DIC Asset dann das kürzeste Streichholz gezogen was jetzt rückblickend keine schlechte aber auch keine gute Entscheidung war, da auch Hamborner Reit und Omega Healthcare in meinem Depot rot da stehen. Hier schaue ich aber – wie so oft – eher auf die Dividende als auf die Performance.

01.11.2021: Volkswagen – 21,72% Plus (bitte nur ein Autohersteller im Depot, Portfoliobereinigung)

Mit Volkswagen und Daimler hatte ich zum damaligen Zeitpunkt zwei deutsche Automobilhersteller im Depot. Also sollte einer weichen und da ich Daimler etwas positiver sehe und ich dort auch eine unschlagbare persönliche Dividendenrendite habe hat die Volkswagen-Aktie mein Depot – erfreulicherweise mit gutem Plus – verlassen.

01.11.2021: Fresenius – 7,25% Plus (Glauben verloren)

Bei Fresenius hatte ich schlicht den Glauben verloren, dass hier nochmal viel Positives passieren wird. Auch war die Dividendenrendite jetzt nicht gerade besonders gut. Letzten Endes wollte ich auch meinen Anteil an DAX-Unternehmen zu dem Zeitpunkt ein wenig abbauen und so kam es zum Verkauf.

14.01.2022: Daimler Truck AG – 107,87% Plus (Spin-Off Wert verkauft, Portfoliobereinigung)

Die Daimler Truck Aktie kam ja durch einen Spin-Off von Daimler in mein Depot. Es war prozentual ein sehr kleiner Anteil am Depot und da ich die Position nicht weiter ausbauen wollte habe ich stattdessen verkauft und in Werte investiert, die ich langfristig halten und ausbauen möchte.

25.01.2022: RWE – 42,28% Minus (Nerven verloren?)

Und wieder ein Problemfall aus meiner frühen Börsenphase. RWE war eine durchaus große Position und hatte zuletzt kaum noch Dividende gebracht. Auch der Kurs hat zu dem Zeitpunkt keine großen Sprünge gemacht.

Jetzt liegt der Kurs – zwar immer noch weit entfernt von meinem damaligen Einstiegskurs – allerdings um einiges höher als mein Verkaufskurs. Tatsächlich schwanke ich dazwischen mit der Entscheidung trotzdem zufrieden zu sein und der Frage ob ich hier vielleicht die Nerven verloren habe. Aber gut, weg ist weg!

14.02.2022: Lyxor MSCI World (LUX) UCITS ETF – 34,95% Plus (aus heutiger Perspektive alles richtig gemacht)

Als die Ukraine-Krise (und leider später der Krieg) begann habe ich mich hier über Social Media ein wenig verrückt machen lassen. Da ich ohnehin drei MSCI World ETFs bespart habe, habe ich damals also den kleinsten davon verkauft.

Schon wenig später kam mir der Gedanke, dass der Verkauf ein Fehler gewesen sein könnte. Aus heutiger Sicht war der Verkauf völlig richtig, ich hätte das Geld nur nicht direkt re-investieren sollen *lach*. Wie immer ist Market Timing etwas, was ich nicht beherrsche und mich wahlweise schmunzelnd oder kopfschüttelnd zurück lässt.

24.02.2022: iShares MSCI EM UCITS ETF (Dist) – 8,01% Minus (Gefahr erkannt, Gefahr gebannt)

Der bisher letzte Verkauf in meinem Depot. Mit den Russland-Sanktionen hatte ich zum damaligen Zeitpunkt erstmalig realisiert, dass die Risiken in gewissen Märkten deutlich höher sind als in anderen.

Damals wie heute gibt es immer wieder Beiträge, dass man in diesen Märkten der Zukunft investiert sein muss oder man sich sonst große Chancen entgehen lässt. Hier bin ich absolut gefestigt und sage mir reichen die Chancen der “entwickelten” Märkte und die Emerging Markets werden mich denke ich nicht mehr wieder sehen.

Stichwort – Portfoliobereinigung

Wenn wir uns die Liste der Verkäufe anschauen, so war – neben Schwachsinns-Aktionen und Gewinnmitnahmen – der häufigste Grund für einen Verkauf das was ich “Portfoliobereinigung” nenne.

Ok, das war eine doch recht lange Liste an Verkäufen. Und ich bin natürlich noch eine Information schuldig: Wie schaut es vom Gesamtergebnis aus, wenn ich alle Verkäufe zusammen betrachte? Es war in der Tat fast ein Nullsummenspiel mit einer leichten Tendenz zum Minus wenn ich die Dividenden der verkauften Unternehmen aussen vor lasse. Mit den Dividenden bin ich leicht im Plus.

Tatsächlich war es bei mir bisher selten der Fall – am ehesten vielleicht beim Verkauf von Fresenius – dass ich von den Fundamentaldaten eines Unternehmens nicht mehr überzeugt war.

Es war für mich eher häufiger die Frage, ob eine Aktie noch ins Konzept – um nicht zu sagen in die Strategie – meines Depots passt. Für mich ist das ein sehr wichtiger Aspekt und mindestens ebenso wichtig wie die fundamentale Bewertung eines Unternehmens.

Tesla ist hier vielleicht fast schon ein Paradebeispiel, da es halt kein Dividendenzahler ist. Solche Unternehmen möchte ich über den MSCI World ETF abdecken und die passen nicht ins Dividenden-Depot. Natürlich könnte ich mein Depot auch in Dividenden- und Wachstums-Titel unterteilen, aber das ist nicht mein Ansatz. Bei Tesla kam noch meine persönliche Bewertung dazu, dass ich nicht mehr an die “Story” geglaubt habe. Zumindest wenn man den Kurs anschaut, habe ich da daneben gelegen. Aber damit kann ich gut leben, zumal ich ja immer noch mit einem Plus heraus gegangen bin.

Fazit

Kein Artikel auf dem AktienTraum-Blog ohne Fazit. Vielleicht muss ich mir da auch mal was Neues einfallen lassen, aber sei es drum.

Man sollte sich von dem Begriff Buy & Hold nicht in die Irre führen lassen. Hier wird – und ich denke das ist auch bei den Großen so – trotzdem immer mal wieder fleissig verkauft. Das hat deswegen aber nichts mit dem reinen Trading zu tun, sondern es ist Teil der “Check”-Komponente dieses Ansatzes, die aber häufig nicht explizit genannt wird.

Dabei muss jeder seine Kriterien bestimmen ab wann Aktien oder ETFs – trotz Buy & Hold – das Depot verlassen sollten bzw. müssen. Mir persönlich ist hier der Blick auf meine Gesamtstrategie sehr wichtig. Aber wie immer muss hier jeder seinen eigenen Weg finden und am Besten ganz klar für sich definieren.


Haftungsausschluss: Bei AktienTraum handelt es sich um eine rein private Seite zu Unterhaltungszwecken. Dies ist in keiner Form eine Anlageberatung und die behandelten Themen stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder anderen Wertpapieren da.

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