Pessimistischer Markt – Trotzdem Investieren?

Was macht man als “normaler” Anleger im aktuellen Markt? Die Füße still halten? Auscashen – sprich verkaufen – um später wieder tiefer einzusteigen? Oder einfach weiterhin regelmäßig investieren?

Was man unter einem “normalen” Anleger versteht, ist vermutlich gar nicht so einfach zu definieren. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten und damit auch die verschiedenen Ansätze und Strategien an der Börse.

Eigentlich möchte ich mit dem Ausdruck normal zum Ausdruck bringen, dass ich selber kein professioneller Anleger bin und das auch nicht gelernt habe. Ich versuche hier hauptsächlich meinen gesunden Menschenverstand anzuwenden und natürlich spielen auch persönliche Präferenzen eine Rolle.

Dieser Blogpost kann daher auch auf keinen Fall eine Handlungsempfehlung sein, aber vielleicht eine Anregung die eigene Investmentstrategie in dieser Marktphase nochmal zu beleuchten.

Dank Twitter bekommt man einen ziemlich guten Einblick in die verschiedenen Strategien, die aktuell zur Anwendung kommen:

  • ETF Sparpläne erstmal kürzen oder aussetzen “bis ein Boden erreicht ist”.
  • ETF Sparpläne erstmal erhöhen, da man aktuell günstiger Anteile einsammeln kann.
  • Das Depot mehr oder weniger auflösen und mit Cash an der sogenannten Seitenlinie stehen, um später wieder zu günstigeren Kursen einzusteigen.
  • Mehr oder weniger nichts tun und dabei Cash aufbauen unter der Annahme, dass es noch (deutlich) weiter runter geht.
  • Die Volatilität des aktuellen Markts ausnutzen für kurzfristige Trades (Käufe + Verkäufe).

Sicherlich gibt es noch weitere Möglichkeiten oder Abstufungen/Kombinationen der oben genannten Punkte. Und dann gibt es natürlich noch die Möglichkeit weiter monatlich/kontinuierlich zu investieren. Nach einem kurzen Versuch mehr Cash aufzubauen ist das nun wieder das was ich tue.

Rendite – Der heilige Gral?

Alle oben aufgeführten Möglichkeiten beinhalten für mich – mal mehr mal weniger – den Versuch den Markt zu timen wie es so schön heisst. Und das mag allein durch die Anzahl der aktuellen Krisen auch absolut gerechtfertigt sein. Dabei bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass es für einige – vielleicht sogar viele – dieser Anleger am Ende tatsächlich funktionieren wird. Das heisst diese Anleger werden im Vergleich zu mir auch eine bessere Rendite erzielen.

Das ist vollkommen in Ordnung, da es mir nicht um einen Vergleich geht oder darum eine besonders hohe Rendite zu erzielen. Das klingt zunächst einmal sicherlich paradox auf einer Webseite auf der es ums Investieren geht. Geht es denn nicht immer darum die beste Rendite zu erzielen?

Die Rendite ist für mich tatsächlich nur ein Aspekt beim Investieren. Gestartet bin ich im Prinzip mit dem Vorhaben einen Teil meines Geldes besser anzulegen als auf einem Tagesgeldkonto zu 0,001% Verzinsung. Da hing die Messlatte natürlich insgesamt nicht so hoch könnte man sagen.

Ich müsste jetzt in meinem dritten Jahr an der Börse sein (etwas früher schon mit kleinen ETF-Sparplänen) und hatte beim All-Time-High (ATH) meines Depots Ende 2021 ein Plus vom etwa 21%. Im aktuellen Bärenmarkt ist dieses Plus zusammengeschmolzen auf jetzt 9,03%. In diesen Zahlen sind Dividenden und realisierte Gewinne enthalten. Ohne Dividenden und realisierte Gewinne liege ich aktuell bei einer Rendite von ca. 5,50%.

Weitere Aspekte beim Investieren

Jetzt kommen aber die weiteren Aspekte ins Spiel. Vermutlich hat jeder das Risiko als einen wichtigen Faktor beim Investieren im Blick. Meine Crypto-Spielwiese mal aussen vor gelassen würde ich sagen, dass ich hier mit eher geringerem Risiko unterwegs bin. Durch den Verzicht auf Einzelaktien könnte ich das Risiko sicherlich noch weiter senken. Und der ein oder andere würde sicherlich sagen, dadurch könnte ich zusätzlich auch noch die Rendite steigern.

Für mich gehören die Einzeltitel aber irgendwie dazu und es ist auch einfach etwas was mir Spass macht und somit den Anreiz zu Investieren hoch bzw. höher hält. Klingt vielleicht ein wenig blöd, aber niemand kann sich letzten Endes aus seiner eigenen Psychologie so ganz befreien. Zumindest glaube ich, dass ich – wenn schon Einzeltitel – dort auch relativ solide aufgestellt bin.

Depot – ETFs und Aktien

Ein weiterer für mich wichtiger Aspekt fehlt jedoch noch und das ist die Komplexität bzw. Einfachheit des Investitionsansatzes. Und es ist sicherlich wenig überraschend, dass ich hier auf einen einfachen und – für mich als Amateur – gut zu überschauende Strategie abziele.

Jeder Ansatz bei dem ich z.B. eine größere Cashposition aufbaue, um damit irgendwann später wieder in den Markt einzusteigen, würde mich schon ein Stück weit stressen. Finde ich den richtigen Zeitpunkt? Was wenn ich den Zeitpunkt verpasse? Oder wenn es sehr lange seitwärts läuft? Wäre es dann evtl. doch besser gewesen auf einen höheren Cashflow aus Dividenden zu setzen wenn ich investiert geblieben wäre?

Es würden eine Menge Fragen auf mich zukommen, auf die ich keine wirklich gute Antwort hätte. Und machen wir uns nichts vor: Jeder schaut ja auch schonmal was andere Anleger so machen. Aber in dem Moment wo einer der Profis schreibt, dass es wieder All-In gegangen ist, kann der Zug für einen selber schon abgefahren sein. Darauf sollte man sich sicherlich nicht verlassen. Und auch die Profis können natürlich mal daneben liegen (no front!).

Fazit

Damit kommen wir zu dem guten alten Fazit und das lautet für mich: Ich investiere beständig weiter und baue somit mein Depot weiter auf und damit auch mein passives Einkommen aus Dividenden weiter aus.

Dabei erwische ich sicherlich keine optimalen Einstiege und bin oft einen Tag nach einem Kauf schon wieder ein paar Prozent im Minus. Das muss man dann natürlich aushalten können. Ggf. kaufe ich dann im nächsten Monat nochmal nach. Hier bin ich in der glücklichen Lage, jeden Monat eine gewisse Summe investieren zu können.

Letzten Endes werde ich so den ganzen Weg nach unten kaufen (so eine Art Dauer-Dip, aber für die Aussage bekomme ich sicherlich Schelte) und dann später eben auch wieder den Weg nach oben. Und irgendwann sollte es ja wieder nach oben gehen. Sollte das ganze System aus irgendeinem Grund vor die Hunde gehen, dann haben wir sicherlich größere Probleme als die Frage wann der beste Zeitpunkt zum Kaufen gewesen wäre!

Dabei laufen die ETF-Sparpläne kontinuierlich durch und bei den Einzeltiteln greife ich natürlich auch nicht völlig blind zu, sondern schaue schon wo es für mich aktuell am meisten Sinn macht. Aber das tut man ja letzen Endes immer – egal ob Bärenmarkt oder nicht – und ist ja einfach auch ein Teil des Spasses an der Börse zu agieren.

Solange es diesen Blog gibt – und das ist hoffentlich noch Minimum 15 Jahre bis zu Rente und dann geht es denke ich erst richtig los – kann man hier ja auch perfekt – quasi am lebenden Objekt – sehen, wie sich diese Strategie entwickelt.

Für mich ist dieser Ansatz die perfekte Aufteilung zwischen Rendite, Risiko und Einfachheit in der Anwendung. Aber hier gewichtet sicherlich jeder ein Stück weit anders und mit mehr KnowHow ist es natürlich auch einfacher eine – aus meiner Sicht – komplexere Strategie zu fahren.

Die kontinuierliche Steigerung des Einkommens aus Dividenden hat natürlich dabei auch einen durchaus positiven Effekt auf die eigene Anlegerpsyche.

So oder so wünsche ich uns allen viel Erfolg in dieser schwierigen Börsenphase mit der passenden Strategie und guten Entscheidungen!


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