Abenteuer Börse – Deutsche Post Aktie

Heute geht es hier um eine kleine Geschichte rund um meinen Kauf der Aktie der Deutschen Post. Tatsächlich befürchte ich, es wird am Ende nicht einmal eine besondere Moral aus der Geschichte geben. Es zeigt einfach nur mal auf, wie es so laufen kann.

An meinen ersten Kauf der Aktie der Deutschen Post kann ich mich noch ziemlich genau erinnern. Es war einer der ersten Käufe nach meinem Entschluss ernsthaft an der Börse einzusteigen. Und das war definitiv noch die Zeit meines starken Home Bias, aber das soll hier gar nicht das Thema sein!

Deutsche Post Aktie – Käufe und Kursverlauf

Dieser erste Kauf war Ende 2020 bei einem Kurs um die 40€. Danach ging es mit der Position – wie auch oben zu sehen – schön rauf bis auf 60€ Mitte September 2021. Eine Steigerung um 50%. Wirklich nicht schlecht und die Börsenwelt ist schön!

Da auch die Dividendenrendite stimmt, und ich immer noch vom Geschäftsmodell überzeugt bin, kaufe ich im November 2021 zu einem Kurs von ca. 55€ nach. Rückblickend schon nicht mehr so eine gute Idee. Aber es zeigt sich halt immer wieder: Market Timing ist schwierig.

Der Nachkauf Anfang März 2022 zu 43€ läuft schon unter der Devise Buy the Dip. Stand heute liege ich über 8% im Minus. Dabei war ich kurzfristig auch schon noch etwas weiter “unter Wasser” mit der Position.

Dividenden aussen vor gelassen – wobei Dividenden bei mir natürlich eine zentrale Rolle spielen – könnte man sagen, das war bis hierhin nicht so erfolgreich. Es gibt aber noch einen richtig schmerzhaften Aspekt bei der ganzen Geschichte!

Gewinnmitnahme des Grauens

Daimler war ja vor vielen Jahren mein absoluter Glücksgriff, als ich mit Börse noch nicht wirklich viel am Hut hatte und einfach nur blindlings ein paar Aktien gekauft habe.

Ende 2020 lag meine Daimler-Position erfreuliche 200% im Plus. Die Dividendenrendite war dabei allerdings recht mau. Meine persönliche Dividendenrendite war natürlich deutlich besser, nur habe ich diesen Aspekt erst später so wirklich verstanden. Sei es drum.

So kam also der Plan auf – nach intensiver Beratung im Familienrat – die Daimler-Position zu halbieren und auch mal Gewinne zu realisieren.

Mit dem Erlös wurde dann – unter anderem – die oben erwähnte erste Position bei der Deutschen Post aufgebaut. Wir spulen schnell vor ins Jahr 2022 und werfen einen Blick zurück auf die Daimler-Aktie (mittlerweile Mercedes-Benz):

  • Es gab die Abspaltung der Truck-Sparte bei der ich die doppelte Anzahl an Aktien erhalten hätte.
  • Mit – jetzt Mercedes-Benz – liege ich mittlerweile bereits fast 300% im Plus.
  • Mercedes-Benz zahlt dieses Jahr eine absolute Rekord-Dividende.

Alles in Allem könnte man auf die Idee kommen diese Gewinnmitnahme war rückblickend nicht so der Burner. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer und das gilt insbesondere auch an der Börse.

Stop-Loss – Die Lösung?

Jetzt kann man sich natürlich direkt mal die Frage stellen, ob ich es einfach voll verpeilt habe. Und sicherlich wird es einige Anleger – mit mehr Erfahrung und/oder einem anderen Ansatz – geben, die diese Frage absolut bejahen würden.

Hätte ich z.B. mit einem Stop-Loss gearbeitet, hätte ich vermutlich einen Teil meiner erreichten Buchgewinne durchaus realisieren können. Und vielleicht schreibe ich ja hier in einem Jahr einen Blogbeitrag der lautet: “Niemals ohne Stop-Loss!” Aktuell bin ich allerdings noch anders unterwegs und das hat die folgenden Gründe:

  • Ich halte ein Unternehmen, weil ich vom Geschäftsmodell überzeugt bin und durch die ausgeschütteten Dividenden ein passives Einkommen aufbauen möchte. Kursgewinne sind dabei gerne gesehen, aber an der Stelle nicht mein Hauptziel. Dafür habe ich den MSCI World und auch Crypto (sehr spekulativ) im Depot.
  • Fällt der Kurs von 60€ auf 50€ und meine Stop-Loss Order wird ausgeführt, so kann es danach ja durchaus direkt wieder hoch gehen. Das hängt ja auch immer von der Ursache für den niedrigeren Kurs ab. Es kann so evtl. lange dauern, bis ich wieder einen günstigeren Einstiegskurs finde.
  • Mit jedem Kauf/Verkauf fallen Gebühren an und natürlich ggf. auch Abgeltungssteuer.
  • Tatsächlich habe ich auch durchaus Angst vor einem Szenario bei dem der Kurs sehr schnell sehr weit fällt und meine Stop-Loss Order dann erst zu einem deutlich tieferen Kurs greift.

Das sind meine aktuellen Überlegungen zum Thema Stop-Loss. Wie immer muss hier natürlich jeder seine eigene Strategie finden, ggf. ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Auch die Diskussionen auf Twitter zeigen mir hier immer wieder, dass es viele Anleger gibt, die sehr erfolgreich mit Stop-Loss-Orders agieren.

Für mich ist es – trotz meiner geschilderten Erfahrungen mit der Deutschen Post – auf meinem jetzigen Wissens- und Erfahrungsstand aus den oben genannten Gründen nicht die richtige Option.

Anders sieht das natürlich aus, wenn sich in meinen Augen fundamental etwas an einer Unternehmungsbewertung verändert oder ein Unternehmen nicht mehr zu meiner Depot-Strategie passt. In einem solchen Fall würde ich dann aber ohnehin aktiv dieses Unternehmen verkaufen und habe das auch schon einige Malle gemacht.

Und die Moral von der Geschichte?

Wie bereits in der Einleitung geschrieben ist das ein wirklich gute Frage. Zunächst einmal ist es erstmal nur eine kleine Geschichte aus dem Leben eines Amateurs an der Börse. Denn bei aller Begeisterung bin ich definitiv ein Amateur.

Aber ich denke es gibt doch einen Punkt für mich, der mir glaube ich schon unterschwellig klar war, aber jetzt nochmal sehr deutlich hervor kommt.

Entscheidungen, die ich mit guten Gewissen – und nach reiflicher Überlegung – an der Börse getroffen habe, sollen mich im Nachhinein nicht grämen!

Auch dann nicht wenn es ein Griff ins Klo war :-).

Thomas von AktienTraum

Dabei geht es natürlich um die normalen Käufe/Verkäufe in einem normalen Rahmen, die man so tätigt als Kleinanleger. Damit ist natürlich nicht gemeint wenn ich mein Haus verpfände um all-in in irgendeine Meme-Aktie zu gehen. Gut, in dem Fall muss ich mich auch nicht mehr grämen, weil ich dann einfach ein verantwortungsloser Spinner bin.

Und das werden mir jetzt hier sicherlich einige nicht glauben, aber so wie es gelaufen ist, ist es ok für mich. Ich habe meinen Gewinn bei Daimler realisiert. Es hätte ja auch ganz anders laufen können nach dem Verkauf.

Auch kassiere ich planmässig meine Dividende von der Deutschen Post und bin überzeugt davon, dass die Logistik-Branche eine gute Zukunft hat. Über die Tage, die ich an diesem Artikel geschrieben habe, ist der Kurs auch schon wieder knapp 2% gestiegen. Und auch wenn ich mich selber immer wieder dabei erwische: Wirklich Sinn macht dieses tägliche schielen auf die Kurse bei meinem Anlagehorizont und meiner Strategie ohnehin nicht. Das hält mich allerdings nicht davon ab!

Ein wenig Sorge macht mir ja der Stop-Loss Teil dieses Blog-Beitrags. Ich denke mal da wird einiges an Gegenwind kommen, was aber auch völlig ok ist. Ich kann es nicht oft genug sagen: Das hier sind einfach nur meine – ungeschönten und ungefilterten – Erfahrungen und Ideen. Und das sollte niemand genauso handhaben, sondern es kann immer nur eine Anregung für eigene Überlegungen sein.


Haftungsausschluss: Bei AktienTraum handelt es sich um eine rein private Seite zu Unterhaltungszwecken. Dies ist in keiner Form eine Anlageberatung und die behandelten Themen stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder anderen Wertpapieren da.

3 Gedanken zu „Abenteuer Börse – Deutsche Post Aktie

  1. Anonymous Antworten

    Sehr schön geschrieben. Auch ich bezeichne mich nach 2 Jahren an der Börse definitiv noch als Amateur. Zwar mit ein wenig Wissen um Charttechnik, aber mehr nicht wirklich. Fundamentale Kennzahlen sind mir ein Grauen. Unterm Strich habe ich bis dato zwar keinen Verlust erlitten, aber mein Gewinn hält sich in Grenzen. Obwohl, eigentlich muss ich mich ja gar nicht so schlecht angestellt haben…kommt halt darauf an, welches Ziel man hat. Und meine Ziele waren definitiv höher gesteckt. Wohl deshalb, weil ich dachte, „na so schwer kann das doch nicht sein“. Oh doch, ist es! In der Theorie und im Nachhinein sieht alles logisch und „vorhersehbar“ aus. Aber wenn dem so wäre, dann müssten wir alle nicht mehr arbeiten gehen, sondern säßen zuhause an unseren Bildschirmen.
    Jaja, die lieben Gewinnmitnahmen. Ich ärger mich heute nicht mehr darüber, dass ich meine biontec Aktien bei 400 € (EK 80 €) NICHT verkauft habe.Wäre ein Gewinn von 6000 € gewesen. 😭 Ich dachte wow, was hab ich für eine tolle Aktie im Depot! Die behalte ich! Ich war stolzer biontec Aktien Besitzer und fühlte mich gigantisch! Ich verstand überhaupt nicht, warum der Kurs danach wieder fiel und gefühlt jeder seine Aktien verkaufte.🤔 Na klar: Gewinnmitnahmen! Dafür ist man doch an der Börse.
    Zum Thema stopp-loss: den setzte ich, wenn mein Kurs gestiegen ist und ich mindestens den Gewinn mitnehmen möchte, auf welchen Kurs die Aktie charttechnisch zurückfallen könnte. Der SL muss also höher sein wie mein EK. Bin ich bereits im minus, macht ein SL für mich keinen Sinn. Ich tue mich auch schwer, die Reissleine zu ziehen und zu verkaufen. Psychologisch nachvollziehbar, aber an der Börse Augen zu und weg damit. Aber man hofft ja immer, dass der Kurs sich wieder erholt, und behält alle Aktien. Auf lange Sicht macht das meist auch Sinn. Nur möchte ich immer wieder Gewinne einfahren. Ich bin kein Langzeitinvestor. Es sei den, ich bin durch mein Minus dazu gezwungen😫
    Letztendlich muss man einfach nur mit der Herde mitlaufen, auch wenn dein Herzblut an der Aktie hängt. Emotionen sind hier fehl am Platz.
    Momentan hoffe ich auf den ganz großen Knall bei brainchip und mullen automotiv. Und dass ballard power & co. bald wieder an ihren früheren Hochs kratzen. Ich bleibe optimistisch…das muss man an der Börse. In diesem Sinne wünsche ich Allen viel Glück und bin offen für jede Anregung und Kritik!

    • AktienTraum Autor des Beitrags

      Vielen Dank für Dein Feedback … Gewinnmitnahmen sind letzten Endes auch irgendwie tricky 🙂 … finde es einfach gut wenn mehr Leute da Erfahrungen teilen und nicht nur dann, wenn man das fast perfekte Timing getroffen hat … denke solche Erfahrungen sind einfach auch (und vermutlich viel öfter) die Realität und es ist doch gut wenn das auch transparent wird … trotzdem geht für mich persönlich mittlerweile kein Weg mehr an Börse vorbei, aber es ist eben nicht immer die Einbahnstrasse, auch wenn man das letztes Jahr teilweise annehmen konnte. Nochmal vielen Dank und viel Erfolg!

  2. Pingback: Buy & Hold - Und "ein paar" Verkäufe - AktienTraum

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