Heimische Wallbox – Erfahrungsbericht und Gedanken

Heute gibt es mal wieder einen kleinen Ausflug zu einem Thema jenseits von Börse und Aktien. Die Entwicklung bei der Elektromobilität verfolge ich schon länger mit großem Interesse und werde es demnächst auch hautnah erleben. Denn nach ca. 30 Jahren Verbrenner – und dabei mit einer Ausnahme nur Diesel – werde ich Ende des Jahres auf ein vollelektrisches KFZ (EV = Electric Vehicle) umsteigen.

Das Thema Elektromobilität habe ich schon länger verfolgt, auch wenn ich tatsächlich kein großer Tesla-Fan bin. Oh weh, sowas zu schreiben kann eigentlich nur einen Sturm der Entrüstung nach sich ziehen. Technisch und insbesondere bei der Software ist Tesla mit Sicherheit ein Vorreiter. Aber mir gefällt weder das Design noch das absolut minimalistische Cockpit mit dem großen Bildschirm. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich entweder nicht oder trefflich streiten.

Als jemand der das Glück hat einen Firmenwagen zu fahren, wird es bei mir ein ID.4 von Volkswagen. Dabei ist es hier echt von Vorteil etwas später dran zu sein, denn beim Thema Software – und insbesondere Over-the-Air Updates – hat Volkswagen noch einiges an Nachholbedarf. Wobei die aktuelle Version 3.2 wohl mittlerweile Vieles richtig macht. Aktuelle Fahrzeuge bekommen direkt diese Softwareversion, wohingegen die Updates der Bestandsfahrzeuge – sagen wir mal – nur schleppend voran geht.

Als Software-Entwickler finde ich das irgendwie witzig, dass man jetzt beim Auto schon auf die Betriebssystem-Version schaut und kann mir auch vorstellen, welche Probleme – und wahrscheinlich auch welchen Druck – die Kollegen da anfangs hatten. Für den “normalen” Autokäufer dürfte diese Thematik aber eher befremdlich – wenn nicht sogar abschreckend – sein.

Jetzt aber zum eigentlichen Thema dieses Blogbeitrags: Die Montage der heimischen Wallbox. Das ist für mich schon ein großes Thema bei der Elektromobilität und wird auch gerne und kritisch diskutiert. Vor der Bestellung des E-Autos habe ich mit unseren Vermietern und dem Elektro-Installateur geklärt, ob eine Montage bei uns überhaupt ok bzw. möglich ist. Zum Glück war beides der Fall – sowieso beste Vermieter ever hier – und für mich wäre es sonst zum jetzigen Zeitpunkt auch ein K.O.-Kriterium für das E-Auto gewesen.

In meinem Bekannten- und Freundeskreis sieht das die Mehrheit genauso. Es gibt aber auch ein paar “Ausreisser”, für die es auch ohne heimische Wallbox ok wäre ein E-Auto zu fahren. Das ist aber zumindest in meinem Umfeld eher eine Minderheit.

Die Wallbox

Um die Auswahl der Wallbox musste ich mir nicht wirklich viele Gedanken machen, denn es gibt eine Empfehlung meiner Firma, der ich gefolgt bin. Hier soll es später ein Abrechnungsmodell für zuhause geladenen Strom geben, aber auch hier gibt es noch – wer hätte es gedacht – Software-Probleme.

Somit ist es eine Elli Wallbox Pro geworden. Diese ist internetfähig und hat eine maximal Ladeleistung von 11 kW. Hier muss man sich echt erstmal reinfinden, denn man ist es beim Auto einfach nicht gewohnt in Strom-Einheiten zu denken. Zumindest ging es mir am Anfang so. Aber bei einem 77 kWh-Akku im zukünftigen Fahrzeug braucht man damit um die sieben Stunden, um einmal voll zu laden.

Es gibt auch Wallboxen mit bis zu 22 kW Ladeleistung. Für meinen Anwendungsfall brauche ich zuhause die höhere Ladeleistung aber tatsächlich nicht und dies hat auch durchaus Implikationen bei der “Zulassung”.

Das wusste ich vorher auch nicht, aber mein Elektriker hat mich da aufgeschlaut:

  • Eine 11 kW Wallbox ist “nur” meldepflichtig bei Betreiber des Stromnetzes.
  • Eine 22 kW ist genehmigungspflichtig durch den Stromnetz-Betreiber und muss wohl auch eine Vorrichtung haben, um die Leistung auf 11 kW zu drosseln.
  • Selbst die Installation einer zweiten 11 kW Wallbox für dasselbe Haus ist wohl genehmigungspflichtig. Unser Elektriker hat es schon erlebt, dass diese Genehmigung nicht so ohne weiteres erteilt wurde.

Man sieht also hier schon, dass das ganze Thema echt noch in den Kinderschuhen steckt und der Aufwand – und zunächst auch mal die Kosten – erstmal höher sind als wenn man sich einfach wieder einen Verbrenner zulegt.

Ich kann daher jeden verstehen, der hier noch eine gesunde Skepsis hat. Von den Preisen für die Fahrzeuge und die Installation einer Wallbox ganz zu schweige.

Die Wallbox ist mit ca. 1000,- € schon kein Schnapper. Die Montage war in meinem Fall recht günstig mit “nur” 800,- €, da das Fallrohr schon lag und der Weg über den Dachboden wohl recht einfach war. Muss man dafür die Auffahrt auf buddeln, kann es sicherlich schnell deutlich teurer werden.

Die Montage

Über die Montage habe ich mir vorher einige Gedanken gemacht, da ich mir das gar nicht so recht vorstellen konnte wie das abläuft.

Wir wohnen mit unseren Vermietern zusammen in einem Zwei-Familien-Haus und der Sicherungskasten fürs Haus ist bei uns oben auf der ersten Etage. Mein Stellplatz ist genau auf der anderen Seite des Hauses vom Sicherungskasten aus gesehen.

Zum Glück lag auf der Seite schon ein Fallrohr für Kabel in dem noch genug Platz war. Also wurde das Kabel einmal über den ganzen Dachboden gezogen, dann ein Loch durch die Aussenwand gebohrt in der Nähe des vorhandenen Fallrohrs und von da ging es dann die Hauswand runter. Dort ist dann auch die Stelle an der die Wallbox montiert wird.

Die Frage ob E-Autos wirklich umweltfreundlicher als Verbrenner sind steht immer wieder im Raum. Wer im Internet sucht wird Argumente Pro und Contra finden. Zumindest laut diesem Artikel des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen ist ein Elektroauto – auch mit einem deutschen Strommix – umweltfreundlicher als ein Verbrenner. Insbesondere wird dort eine ältere Studie zum Einfluss der Batterieerstellung genannt, die E-Autos eine sehr schlechte Bilanz ausgestellt hat. Diese Studie ist aber laut neueren Studien so nicht mehr zu halten und somit ist auch die Umweltbilanz von E-Autos entsprechend besser, als die von Verbrennern. Aber hier wird es sicherlich immer wieder Diskussionen geben.

Dann musste von oben in Richtung Sicherungskasten gebohrt werden, um das neue Kabel dort hinein zu bekommen. Alle Arbeiten am Strom sind für mich ja sowieso böhmische Dörfer. Aber es wurde dann wohl eine “Weiche” vom Stromkabel für den Herd gelegt und das Ganze natürlich nochmal mit eigenen Sicherungen abgesichert.

Die Wallbox selber kam als kleiner Bausatz und musste erst noch zusammen geschraubt werden. Zum Glück habe ich echt einen super Elektriker gehabt, der sich wirklich auskennt und sich auch ein Stück weit auf das Thema spezialisiert hat.

So hatte er auch ein Prüfgerät dabei, mit dem man für jede der drei Phasen (hoffe das stimmt so) den Strom messen konnte und somit quasi ein E-Auto simuliert. Vorher musste man allerdings die Wallbox aktivieren. Dafür musste man mit der entsprechenden App einen Code scannen. Die Wallbox erzeugt dafür ein eigenes WLAN mit dem man sich für die Erst-Konfiguration verbinden musste. Danach konnte man die Wallbox dann über das Handy für den Ladevorgang aktivieren. Es soll ja nicht direkt jeder dort laden können. Es gibt auch noch zwei RFID-Karten, die man für den Zugriff nutzen kann.

Alles in allem war die Montage erfreulich problemlos und alles scheint gut zu funktionieren. Mangels E-Auto steht der ganz finale Test ja noch aus. Dafür habe ich schon das erste Over-the-Air Update der Software für die Wallbox gemacht. Zumindest laut Info in der App hat das problemlos funktioniert.

Mein Fazit

In der aktuellen Zeit auf ein E-Auto umzusteigen fühlt sich schon so ein wenig doppelt spannend an. Denn die aktuellen Diskussionen über Engpässe bei der Stromversorgung sind da schon etwas beängstigend. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass wir da am Ende doch noch die Kurve bekommen werden. Und letzten Endes funktioniert auch eine normale Tankstelle nicht ohne Strom. Und bei einem längeren Stromausfall haben wir sicherlich größere Probleme als ein nicht geladenes E-Auto. Hoffen wir einfach, dass dieser Kelch an uns vorüber geht!

Aktuell ist die heimische Wallbox für mich ein Muss. Das darf aber meiner Meinung nach so nicht bleiben, wenn wir wirklich die Wende hin zur Elektromobilität schaffen wollen. Da braucht es Fortschritte bei der Ladegeschwindigkeit an den Schnell-Ladesäulen, so dass wir näher an die Zeiten eines normalen Tankstopps heran kommen. Es braucht in der Stadt Ladepunkte an Strassenlaternen und in Tiefgaragen und vieles mehr, so dass ein E-Auto nicht nur für Bewohner von Ein- oder Zweifamilienhäusern interessant ist.

Sicherlich bin ich kein Early Adopter beim Thema Elektromobilität, aber die Technologie ist immer noch nicht so ausgereift und problemlos wie unsere Verbrenner-Technologie. Dort schauen wir allerdings auch auf einen deutlich längeren Zeitraum der Entwicklung zurück. Ich bin mir ganz sicher, dass wir hier noch viele Fortschritte sehen werden.

Es wird also sehr spannend zu sehen, wie sich das in Zukunft entwickeln wird.


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