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Du sollst kein “Market Timing” betreiben!

Aus gegebenem Anlass hier ein kurzer Artikel zum Thema Market Timing. Denn diese Woche bin ich seit langem mal wieder selber in die Falle getappt. Dabei habe ich meine persönliche oberste Direktive an der Börse ignoriert, die da lautet:

Aktienkäufe (Erinnerung für mich: dazu zählt auch Crypto) sollten niemals mal eben schnell oder nebenbei ausgeführt werden! Auch dann nicht – oder gerade dann nicht – wenn man denkt es sei gerade eine einmalige Chance.

Aber erstmal die Geschichte eines kurzen Aussetzers, der insofern recht folgenlos ist, weil meine Crypto-Käufe immer sehr klein sind. Aber hier geht es definitiv ums Prinzip.

Ungefähr 1% meines Portfolios investiere ich in Crypto-Währungen und dabei hauptsächlich in Bitcoin. Entsprechend kaufe ich jeden Monat für kleine Summen nach. Immer dann wenn ich denke es könnte gerade passen. Diesen Monat hat es mich aber irgendwie gepackt. Nachdem ich – auf den Monat betrachtet – einen rückblickend guten Kurs verpasst hatte, habe ich darauf gelauert dieses “Missgeschick” wieder gut zu machen. Ums es ganz klar zu sagen: Was für eine totaler Unsinn!

Am Ende hat es dazu geführt, daß ich mein Investment für den nächsten Monat – in dem Versuch meine “verpasste Gelegenheit” wieder auszugleichen – vorgezogen habe. Das Problem dabei ist nur: Was wenn der Kurs im nächsten Monat weiter fällt? Ziehe ich dann das nächste Investment vor und dann das nächste? Das ist ein klassischer Fall von Market Timing und das funktioniert – für den normalen Privatanleger – in 99% der Fälle einfach nicht. Das ist zumindest meine Erfahrung. Und die Lösung ist definitiv nicht es einfach nur öfter zu versuchen!

Nachdem ich mir das jetzt von der Seele geschrieben habe, noch ein kleiner Blick auf die verlockende Welt der vermeintlich einmaligen Chancen an der Börse.

Die einmalige Chance

Und die Börse steckt voller vermeintlicher “einmaliger Chancen”. Mein Ausflug in die Welt der Pennystocks war auch so ein Fall und rückblickend völlig überflüssig. Es steckt hier einfach ein wenig Psychologie drin fürchte ich, die einen denken lässt man müsste eine bestimme “Chance” ergreifen.

Vielleicht ist es auch die Tatsache, daß rückblickend die vielen “verpassten Chancen” ja ganz offen vor einem liegen: Hätte ich doch nur vor fünf Jahren in Tesla investiert, vor 10 Jahren in Apple oder vor einem Jahr in Bitcoin. Es gibt unendlich viele Variationen dieses “hätte ich doch”-Themas.

Aber dann könnte ich auch ins Casino gehen und denken: Hätte ich mal alles auf rot gesetzt wenn ich sehe die Kugel fällt auf eine rote Zahl. Oder hätte ich mal diese Zahlen im Lotto getippt nachdem diese gezogen wurden. Nicht umsonst sind alle Zeitreisenden Multimillionäre oder sollten es zumindest sein.

Börse sollte nicht zum Casino werden!

Diese Art Jagd nach vermeintlich einmaligen Chancen macht die Börse in meinen Augen zu einer Art großem Online-Casino. Mit langfristigem Investieren hat dies dann allerdings nichts mehr zu tun. Dabei gibt es sicherlich Leute die Daytrading oder andere “offensivere” Formen des Aktienhandels mit Erfolg betreiben können. Diese Leute haben dann aber auch deutlich mehr Wissen in diesem Bereich als ich es vermutlich jemals haben werde. Und das ist meiner Meinung nach auch völlig ok so.

Anlagestrategie & Zeithorizont

Am Ende des Tages Tages muß man sich einfach immer wieder auf seine Anlagestrategie und den eigenen Zeithorizont zurück besinnen.

Glaube ich langfristig an ein Unternehmen – oder eine Crypto-Währung – dann ist es auf Sicht von 10, 15 oder sogar 20 Jahren nicht wirklich entscheidend ob ich jetzt für einen kleinen Nahkauf einen vielleicht 2% günstigeren Kurs erziele oder nicht. Steigt der Kurs weiter und glaube ich weiterhin an das Investment werde ich im Normalfall ohnehin später noch zu höheren Kursen nachkaufen.

Damit es nicht zu Missverständnissen kommt: Natürlich macht es Sinn auf den Kurs zu schauen und abzuwägen welcher Kauf einem gerade sinnvoll erscheint. Niemand wird wohl versuchen Aktien immer nur bei einem All-Time-High zu kaufen. Aber das ist etwas völlig anderes als ungeplante Käufe durchzuführen, weil man meint es sei gerade so günstig oder ein bestimmter Kurs kommt nicht wieder. Dafür gibt es – insbesondere für uns Privatanleger – zu viele Unwägbarkeiten an der Börse.

Zen Modus

So ein kleiner “Aussetzer” kann ja immer auch sein Gutes haben. Mir hat es geholfen beim Investieren wieder in meinen Zen Modus zurück zu kehren. Der Mai ist ein genialer Dividendenmonat bei mir und daran werde ich mich erfreuen. Dann werde ich mir ganz in Ruhe anschauen, in welche Unternehmen ich im Mai investieren möchte. Und das Ganze ohne jede Hast.

Dabei werde ich wie üblich versuchen die Geschäftsmodelle interessanter Unternehmen für mich so gut es geht zu bewerten. Dasselbe gilt natürlich auch für Kennzahlen soweit ich diese halbwegs überblicke. Und natürlich hilft auch immer der Austausch mit anderen Privatanlegern. Bei mir passiert das hauptsächlich auf Twitter oder als “Beschallung” via YouTube.

Damit bleibt für mich die Dividendenstrategie der Weg aus der Null- bis Negativ-Zinsfalle und mein Depot aktiver Teil meiner Altersvorsorge. Überlegt immer in Ruhe was eure Ziele beim Investieren sind und vor allen Dingen: Brecht nichts über Knie! Die Chancen dabei Schiffbruch zu erleiden sind sehr viel größer als die Erfolgsaussichten.


Haftungsausschluss: Bei AktienTraum handelt es sich um eine rein private Seite zu Unterhaltungszwecken. Dies ist in keiner Form eine Anlageberatung und die behandelten Themen stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder anderen Wertpapieren da.

3 Gedanken zu „Du sollst kein “Market Timing” betreiben!“

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